Wird das neue Logistikleitsystem BLS das Versandautomationssystem VAS-II als Berthold-Flaggschiff ablösen?

Rudolf Berthold (RB): Unser Unternehmen lebt von der Vision, Organisationen weltweit zu einer wesentlichen Produktivitätssteigerung zu verhelfen.

Das können wir nur dann erreichen, wenn wir Lösungen liefern können, die nicht nur dem letzten Stand der Technik entsprechen, sondern auch die Anforderungen der kommenden Jahre komplett abdecken können.

Seit dem Jahr 2000 ist VAS-II richtungweisend am Markt – nun setzen wir mit BLS unsere Innovationsstrategie fort und sichern uns damit weiterhin eine Vorreiterrolle in Sachen Transportlogistikleitsysteme.

Warum launcht BLS gerade jetzt – in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit?

RB:
Der Zeitpunkt wurde von verschiedenen Faktoren vorgegeben:
2009/2010 erhielten wir die Information, dass die bei unserem bisherigen Flaggschiff – dem Versandautomationssystem VAS-II – eingesetzen Entwicklungstools auslaufen und von deren Herstellern ab 2015 nicht länger supportet werden.

Hinzu kam, dass VAS-II aufgrund der zahlreichen Weiterentwicklungen zu einem äußerst umfangreichen System gewachsen ist.

VAS-II ist eine "einheitliche" Software mit Lizenzfeldern: Jeder Kunde bekam die komplette Software, und die erforderlichen Teile wurden freigeschalten.
Ein weiterer Ausbau hätte nur noch mit sehr hohem Kostenaufwand erreicht werden können, will man die hohe Qualität und Sicherheit des Systemes weiterhin voll gewährleisten. Und bei diesen Punkten machen wir sicherlich keine Abstriche.

Bei BLS setzten wir nun eine Kernsoftware mit zusätzlichen Branchenmodulen ein. Das sichert uns volle Flexibilität für mögliche Weiterentwicklungen.
BLS ist ein System für die Zukunft.

Weiters nutzten wir die "saure Gurkenzeit" der Wirtschaftskrise: Aufgrund der geringeren Projektanzahl haben wir die freien Kapazitäten für die Neuentwicklungen von BLS verwendet.
So konnten wir einerseits auch in wirtschaftlich stürmischen Zeiten alle Mitarbeiter halten und können nun – am Ende der Krise – mit einem neuen Produkt voll durchstarten.

Es war uns auch ein großes Anliegen, unsere umfangreichen Erfahrungen mit Logistikleitsystemen erneut in einem neuen System zu bündeln.

Das heißt, BLS ist eine komplette Neuentwicklung?

RB: Ja – konzeptmäßig haben wir die Neuentwicklung im Jahr 2010 bei Null begonnen, praktisch auf der "grünen Wiese".
Eine komplette Vorerhebung ohne jede Einschränkung, neue Entwicklungstools gesucht, neue Funktionen & Konzepte definiert – das ist der Traum jedes Entwicklers!

Und ich muss festhalten: Wir haben bei der Vorerhebung keinen groben Fehler gemacht – etwa 20.000 Technikerstunden später steht mit BLS ein Highend-Produkt zur Verfügung, das die hohen Erwartungen mehr als erfüllen wird.

Was waren die größten Herausforderungen bei diesem Entwicklungsprojekt?

RB: Da gab es mehrere:
Erstens wurde die freie Konfigurierbarkeit bei BLS massiv ausgebaut.
Schon VAS-II ist ein System, wo man zu Aufträgen diverse Zusatzdaten einfach konfigurieren konnte und nicht dazuprogrammieren musste. Per Maus-Klick konnten schon damals die Prozessschritte individuell zusammengesetzt werden.

Bei BLS gibt es nun absolut keine Einschränkungen mehr: Alles ist frei konfigurierbar, ohne für jedes neue Feature auch eine neue Softwareversion auflegen zu müssen.

Auch die Realisierung des offenen Konzeptes hinsichtlich interner Datenmanipulation und der internen und externen Schnittstellen zu weiteren Systemen war eine Herausforderung:

Hier galt es eine durchgängige Struktur zu schaffen, die schnell und gleichzeitig flexibel ist. Und die ohne großen Aufwand erweiterbar ist.

Drittens die hausinterne Sicherheit bzw. der Datentransfer zwischen den Modulen:

Hier arbeiteten wir mit geplanter Jobrotation, d.h. jeder beteiligte Entwicklungstechniker wurde bei der Entwicklung in jedem Bereich eingesetzt.
D.h. jeder Techniker hat zumindest ein Basiswissen in allen entwickelten Bereichen – das gab und gibt größtmögliche Sicherheit für das Unternehmen Rudolf Berthold Ges.m.b.H.

Ebenso galt es ein eigenes Tool für Dokumentation einzusetzen (inklusive Versionsverwaltungstool) – jeder Schritt der Entwicklung wurde so bestens dokumentiert. Die Dokumentation umfasste auch ein Änderungsprotokoll, d.h. Versionen können sofort zurückgesetzt werden. Wir nennen es Return-button – ähnlich dem bekannten "undo".

Durch diese Vorgehensweise ist jeder Schritt jederzeit nachvollziehbar und alle ISO 9001-2008 Vorgaben wurden somit komplett umgesetzt.

Was können Unternehmen, die jetzt schon Logistiksysteme in Betrieb haben von BLS noch erwarten?

RB: Um ein derat mächtiges Zukunftswerkzeug schaffen zu können, müssen die Problemstellungen von morgen schon heute erkannt werden. Dazu braucht es viel Erfahrung, enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden, und die Fähigkeit, zuhören zu können.

Mit BLS steht jeder Anwender für die kommenden 10-15 Jahre auf der sicheren Seite.

Und – worüber sich jeder Unternehmer freuen wird – die Lizenzgebühren werden geringer sein als bei VAS-II.

Wo haben Unternehmen heute noch Verbesserungspotential bei der Abwicklung ihrer Logistikaufgaben?

RB: Ein mir bekanntes Beispiel: 1980 konnte ein Unternehmen mit 10 Mitarbeitern im Versand etwa 60 Fuhren am Tag abwickeln, zusätzlich gab es einen enormen Aufwand durch Fehlerbereinigung und Manipulation.
Mit modernen Logistikleitsystemen von Rudolf Berthold Ges.m.b.H kann die selbe Mannschaft 500 Fuhren fehlerfrei abwickeln, obwohl die Aufgaben, die gesetzlichen Richtlinien und somit der Datenaufwand nahezu explodiert sind.

Die Kernaufgaben jedes Logistikleitsystemes liegen seit jeher in der Datenautomatisierung, der Datenaufbereitung und der Dokumentation.
Hinzugekommen ist die wichtige Aufgabe der Qualitätssicherung:
Die Anzahl der zu erfassenden Daten haben sich gegenüber 1980 verhundertfacht! Ohne Logistiksystem sind diese einfach nicht mehr verwaltbar.

Ebenso die Zusammenführung von Daten: Daten aus Vorratsverwaltung, Produktion, Kundendaten, Aufträgen, Disposition, uvm. – und das bei Just-in-Time Notwendigkeit.

Begleitprozesse sind integriert worden:
Zutrittssysteme und Werkssicherheit sind heute als weitere Teile voll ins Logistikpaket integriert.
Logistikleitsysteme sind dem ERP System unterlagerte Systeme. ERP System arbeiten heute mit einer Zentrale und Subsystemen in jedem Werk.

Auch bei unserem neuen Logistikleitsystem BLS haben wir auf eine zentrale Datenablage Wert gelegt- möglich geworden ist dies durch das Web sowie offene Schnittstellen des BLS-Systemes.

Durch diese zentrale Funktionalität kann ein Werk ein Anderes sofort ersetzen (in Soft- und Hardware) inklusive der Zutrittskontrolle und der Werksicherheit.

Weiters ist es so, dass heute jedes Werk auf bestimmte Prdukte spezialisiert wird – ein Beispiel aus der Baustoffindustrie: ein Werk für Dämmungsmaterial, ein Werk für Fassaden, ein Werk für Farben, usw.
Der Kunde bestellt jedoch eine komplette Fassade – BLS ist ein durchgängiges System und teilt diesen Einzelauftrag auf die einzelnen Werke auf – ohne jegliche manuelle Planungsarbeit.

BLS überwacht auch alle Abläufe: Jegliche Widersprüche bei Aufträgen oder Dispo’s werden im Vorfeld ausgeschieden. So ist gesichert, dass bei bestellter Sackware auch wirklich ein Planen-LKW zur Abholung kommt, und nicht plötzlich der Silo-LKW im Werk steht.

Weiters überwacht BLS auch die Lagerstände, die Nachbestellungen, uvm.
BLS ist ein mächtiges Werkzeug mit vielschichtigen Möglichkeiten.

Wer sollte sich das Logistikleitsystem BLS einmal näher ansehen?

RB: Alle Betriebe, die Schüttgut und Material in diversen Gebinden mit gewichtsmäßiger Verrechnung produzieren, vertreiben oder entgegennehmen.

Aufgrund der abgewickelten Mengen sind dies vor allem Unternehmen im Baustoffbereich, der Abfallwirtschaft und der Biomasse.

Aber auch Lebensmittel-, Chemie- oder Futtermittelhersteller können mit BLS von enormen Einsparungen profitieren.

Vor allem für Betreiber von mehreren Werken aber auch Produzenten, deren Lieferanten und Kunden im Verbund stehen, bieten sich einmalige Chancen zur Kostenreduktion und Produktionssicherheit.

Wir können jedem Planer oder Betreiber zeigen, wo Einsparungspotential liegt und wie einfach ein modernes Logistikleitsystem zu implemetieren ist.

Wie soll das gehen? Jedes Unternehmen agiert äußerst individuell?

RB: Unser Vorteil ist, dass wir bereits bei der ersten Präsentation unseres Logistikleitsystemes auch individuelle Kundenanforderungen vorführen können.

Ermöglicht wird dies durch den einzigartigen Aufbau von BLS und die rasche Konfigurierbarkeit.

Der Kunde sieht dabei sofort, dass BLS all seine Anforderungen abdecken kann und muss nicht auf individuelle Entwicklungen warten, von denen er erst nach Auftragsvergabe etwas sieht.

Wichtig dabei:
Ein Logistikleitsystem muss sich immer an das vorhandene oder geplante ERP System anpassen, und nicht das ERP System oder die Prozesse nach den Möglichkeiten des Logistiksystemes richten.

Ist BLS Ihr persönliches "Vermächtnis" an die nächste Generation?

RB: Meine persönlichen Aufgaben im Unternehmen werden in den nächsten Jahren verstärkt im strategischen Bereich liegen. Das operative Geschäft wird mehr und mehr in die Verantwortung der jungen Generation gelegt.

Mit BLS ist uns eine gewaltige Innovation gelungen, die auch eine einzigartige Basis für folgende Weiterentwicklungen darstellt. Weitere Releases sind schon jetzt in Planung.

Das Logistikleitsystem BLS wird geschätzt bis 2025 eine federführende Lösung am europäischen Markt sein. Unser Unternehmen ist damit dem Mitbewerb erneut um einige Jahre voraus.

So gesehen sichert es die Zukunft unseres Unternehmens und ist damit auch eine Art ein Vermächtnis an alle Mitarbeiter von Rudolf Berthold Ges.m.b.H.

Also noch kein Ruhestand geplant?

RB: Wer mich kennt weiß, dass ich ein Vollunternehmer bin. BLS ist ein Riesenschritt für unser Unternehmen und wir werden sehen, welche Aufgaben sich daraus noch für mich persönlich ergeben.

Ihr direkter Draht zu Rudolf Berthold: Kontakt

 

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